Personen im Kreis

Grenzlinien – Kunst und Erfahrungen über Flucht und Hoffnung

- 09.03.2026 - 

Filmabend und Gespräch im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus

 
 
Plan Woche gegen Rassismus
 
20.03.2026: Gespräch mit Francesco Piobbichi in Schopfheim (evt. Film „Das Neue Evangelium“: noch zu definieren).
 
21.03.2026: 18 Uhr Eröffnung der Ausstellung der Zeichnungen von Francesco Piobbichi (Kirche im Quadrat)
Francesco Piobbichi ist Sozialarbeiter und Künstler. Er war für das Beobachtungszentrum von Lampedusa verantwortlich und leitet nun die Herberge „Dambe So” in der Ebene von Gioia Tauro in Kalabrien. Das erste ist ein Zentrum für die Sammlung von Daten und Geschichten sowie für Analysen und Mitteilungen zum Thema Migration im Mittelmeerraum und bemüht sich, den Ankommenden ein greifbares Zeichen des Willkommens zu geben. Das zweite ist eine Herberge für Landarbeiter:innen aus der Migration, die sonst in Zeltstädten leben würden (oft ohne Papiere und von der Mafia und einem ungerechten Wirtschaftssystem ausgebeutet) und versucht, ihnen Würde, Autonomie sowie humanere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu bieten. Seit Beginn seiner Tätigkeit in Lampedusa hat Francesco Piobbichi mit dem Zeichnen begonnen. Hinter seinen Zeichnungen stehen Geschichten, Erzählungen, soziale und politische Kritik, vor allem Menschen und Identitäten, die von der Ungerechtigkeit berichten, mit der das Phänomen der Migration behandelt wird. An diesem Abend wird im Gemeinschaftsraum der Kirche im Quadrat in Anwesenheit des Autors eine Ausstellung mit einigen seiner Werke eröffnet. Er wird mit dem Publikum über die Bedeutung seiner Kunst sprechen. Es besteht die Möglichkeit einer Spende. Veranstalter:innen: Diakonisches Werk im Landkreis Lörrach und ev. Kirchenbezirk Markgräflerland
 
22.03.2026: 11:15 Gottesdienst gegen Rassismus (Kirche im Quadrat) mit Pfarrer Dr. Luca Ghiretti
22.03.2026: 17 Uhr Film „Io Capitano“ und Gespräch mit Francesco Piobbichi (Cineplex)
Der Film „Io Capitano“ (2023) erzählt die Geschichte zweier Senegalesen aus ihrer Perspektive. Es handelt sich um eine besonders eindringliche Erzählung über den Traum zweier junger Menschen, nach Europa zu gelangen. Dieser Traum verwandelt sich in die Hölle einer Reise, die in ihrer ganzen Härte realistisch geschildert wird. Ein intensiver Film des Regisseurs Matteo Garrone, der die Härte der Realität mit träumerischen Momenten verbindet. Preis für die beste Regie bei den Filmfestspielen von Venedig für den Regisseur und für Seydou Sarr als bester Nachwuchsdarsteller. Nach dem Film findet eine Diskussion mit Francesco Piobbichi über das statt, was er in Lampedusa und Kalabrien gesehen, gehört und erlebt hat. Der Preis beträgt 5 Euro, und es besteht die Möglichkeit einer Spende. Veranstalter:innen Diakonisches Werk im Landkreis Lörrach, ev. Kirchenbezirk Markgräflerland und Cineplex
 
24.03.2026: 19 Uhr Film “Kein Land für Niemand“ und Gespräch mit Francesco Piobbichi (Free Cinema – Nellie Nashorn)
Der Dokumentarfilm führt die Zuschauer:innen zu der Wurzel des radikalen Wandels, der sich in Europa in Bezug auf die Migrationspolitik vollzogen hat. Es handelt sich um eine Erzählung aus verschiedenen Blickwinkeln, die beleuchtet, was die Politik der Festung Europa oder Deutschland bedeutet, und aufzeigt, was in der aktuellen Debatte über Migration geschieht, die zum Sündenbock für immer stärkere gesellschaftliche Ängste wird. Es handelt sich um eine schonungslose Darstellung einer ungerechten Realität, in der einerseits ein kontinuierlicher Rechtsruck in der Einwanderungspolitik zu beobachten ist und andererseits ein brutaler Status quo besteht, der heute mehr denn je nach Alternativen verlangt. Nach dem Dokumentarfilm wird mit Francesco Piobbichi über die politische und humanitäre Situation im Zusammenhang mit der Migration in Italien und Europa gesprochen und darüber, was man aus den Erfahrungen von Mediterranean Hope lernen kann (ein Migrationsprojekt der Föderation evangelischer Kirchen in Italien, das zum Großteil von der Evangelischen Waldenserkirche – Union der methodistischen und waldensischen Kirchen – finanziert wird). Der Eintritt ist kostenlos, und es besteht die Möglichkeit, zu spenden. Veranstalter:innen: Diakonisches Werk im Landkreis Lörrach, ev. Kirchenbezirk Markgräflerland, Nellie Nashorn, Free Cinema
 
27.03.2026: 15-18 Uhr Workshop Menschenfreundlichkeit gegen Hass und Hetze (mit Regine Gnegel, Referentin im Bereich Flucht und Interkulturelle Kompetenz der ekiba). Veranstalter:innen: Diakonisces Werk im Landkreis Lörrach, ev. Kirchenbezirk Markgräflerland, VHS Lörrach.
 

 
Petition
 
In den letzten Tagen sind an den Küsten Kalabriens und Siziliens zahlreiche Leichen angespült worden. Das ist kein Zufall – und auch nicht die Folge von Schicksal oder schlechtem Wetter. Es ist das Ergebnis einer tödlichen Migrationspolitik, die Solidarität und Aufnahme systematisch eingeschränkt oder sogar kriminalisiert hat.
 
Wir dürfen nicht gleichgültig bleiben. Wenn Politik und Institutionen auf die Dramatik dieser Ereignisse nicht angemessen reagieren, muss eine starke und vielfältige Antwort aus der Zivilgesellschaft kommen.
 
Wenn Grenzen töten, übernehmen wir Verantwortung: Die Toten, die das Meer in den vergangenen Wochen zurückgebracht hat, zeigen deutlich, dass die Verletzlichkeit ganzer Regionen und die globalen Ungleichheiten Ausdruck eines nicht tragfähigen wirtschaftlichen und politischen Systems sind.
 
Die Waldenserkirchen in Reggio Calabria und Messina, gemeinsam mit „La coperta della memoria“ (Palmi), Abarekà Nandree OdV und der Piccola Comunità Nuovi Orizzonti (Messina) sowie mit der aktiven Unterstützung der Zivilgesellschaft, die sich bereits am 22. Februar 2026 in Reggio Calabria versammelt hat,
 
FORDERN MIT NACHDRUCK:
 
  • das sofortige Handeln lokaler und nationaler Institutionen (ANCI, Polizeibehörden in Kalabrien und Sizilien, Region Kalabrien, Region Sizilien, Innenministerium und Präsidialamt)
  • die umgehende Identifizierung der im Meer geborgenen Toten (insbesondere durch DNA-Analyse),
  • die Verpflichtung, ihre Angehörigen ausfindig zu machen,
  • sowie eine würdevolle Bestattung aller Verstorbenen, die – wenn kein Name bekannt ist – zumindest ein Zeichen trägt, das ihre Identität anerkennt und sie als Mahnmal für die Gesellschaft sichtbar macht.
„Eine Feder der Freiheit für jedes Leben, das an unseren Grenzen verloren ging“ ist das Symbol unserer Initiative.
 
Mach mit!
 
UNTERSCHREIBE und FORDERE ANDERE ZUM UNTERSCHREIBEN AUF:
 
 
 

 
Grenzlinien
 
Ich schreibe diese Zeilen unter dem Eindruck der Woche gegen Rassismus und den Begegnungen mit dem Künstler Francesco Piobbichi in unserem Kirchenbezirk. Je länger ich ihm zuhöre, desto tiefer sackt das Gehörte. Er lässt uns hineinblicken in den „Karfreitag“ der Vielen, die nach Europa flüchten.
Ohnmacht breitet sich aus, wenn man ihm zuhört. Es ist so weit weg. Francesco weiß das. Er ist nah dran. Er hört hin. Er sieht hin. Und er malt und erzählt. Am Ende seiner Erzählungen macht er es praktisch: Schaut, das kann man tun. Das tue ich und das könnt ihr tun, auch aus der Ferne.
Am Kreuz erkennen Christinnen und Christen Gottes Liebe. Das bleibt unfassbar herausfordernd, durch die Jahrhunderte hindurch. Wer aber Menschen in ihren dunklen Stunden begleitet – so wie wir das in Kirche und Diakonie tun und uns dabei so vielen verbunden wissen, die mit uns unterwegs sind – weiß, was es bedeutet, dass unser Gott auch durch das Dunkle mit uns geht, weil er es kennt.
Ostern ist Gottes „ganz praktische“ Idee für uns. Schaut, das könnt ihr tun, auch aus der Ferne. So schlicht das vielleicht klingt, es ist eine tiefe Haltungsänderung. An Ostern feiern wir das Leben. Dass einst alles neu wird. Und dass wir schon jetzt mit dieser hellen Freude und Hoffnung in uns leben. Das verändert alles. Wir werden zu Menschen, die sich tapfer und liebevoll an den Grenzlinien des Lebens bewegen – durch Francesos Bilder zieht sich der Stacheldraht – wir halten uns die Gleichgültigkeit sorgsam auf Abstand. Wir lassen zu, dass sich vermischt, was scheinbar nicht zusammengehört: Dass unsere Welt leidet und wir trotzdem mit Gottes Hoffnungsschimmer in ihr unterwegs sind. Denn das können wir tun: an Gottes Liebe glauben und mit ihr leben.
 
Gesegnete Kar- und Ostertage wünscht Ihnen
Ihre Dekanin Esther Philipps